Rechtschreibung – wer kann die denn noch?

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Die Zeitspanne, in der uns Menschenkindern korrekte Rechtschreibung beigebracht wurde, ist gesamtgeschichtlich gesehen sehr kurz: Erst hatten wir keine Schrift, dann wurde sie lediglich ausgewählten Personen beigebracht, und nur einen humanhistorischen Wimpernschlag lang und in wenigen Ländern galt es als Ziel, allen Menschen das richtige Schreiben beizubringen. Aber das ist doch immer noch der Fall, wenden Sie ein? Leider nicht.

Wie man’s spricht
Die Zeiten, in denen Kinder in den ersten Klassen die grundsätzlichen Grammatikregeln beigebracht bekommen haben, sind seit den 1990er Jahren vorbei: Schreiben nach Gehör hieß die neue Maxime. In den ersten beiden Klassen sollten Kinder drauflosschreiben, wie es ihnen in den Sinn kommt – bzw. ins Ohr. Forlega, Rütmus, Spaisekate: So sehen Wörter ohne Rechtschraibunk aus. Man argumentierte mit schnellen Erfolgserlebnissen und hoher Motivation. Zudem würden Kinder an den Tafeln ja immer die richtige Schreibweise sehen.

Die Ergebnisse sind bekannt: Die Kinder gewöhnten sich ab der dritten Klasse nur mehr sehr schwer an die neuen Regeln und behielten die falsche Schreibweise teilweise für immer bei. Nach und nach wird die umstrittene Lehrmethode in Deutschland nun wieder abgeschafft, aber der Schaden ist angerichtet: Es gibt eine Generation in Deutschland, deren Großteil nie richtig schreiben gelernt hat. Lehrer, die sowohl vor als auch nach der Umstellung auf das Schreiben nach Gehör tätig waren, zeigten sich fassungslos, und die Anforderungen im sprachlichen Bereich mussten extrem gesenkt werden.

Über Messenger
Internet und Smartphones starteten zudem einen weiteren Angriff auf die korrekte Schreibweise: Messenger sind für viele Menschen längst zu einer der wichtigsten Kommunikationsformen im Alltag geworden. Die heutigen Möglichkeiten sind schon deutlich besser als die Buchstabeneingabe über die Zahlentasten, dennoch muss immer alles schneller gehen: Dank durchgehender Kleinschreibung, Wortvervollständigung und der Weglassung aller Satzzeichen kann man extrem schnell kommunizieren. Leider aber auch extrem falsch.

Die neue Rechtschreibung
Sollte man sich beim Schreiben dann lieber auf diejenigen verlassen, die vor der Umstellung auf das Schreiben nach Gehör die Schulbank gedrückt haben, die also auch nicht zu den digital natives zählen? Die Antwort ist ein klares Jein: Wer sich seitdem mit der Schriftsprache im Arbeitsalltag kaum mehr befassen musste, greift oft auf überkommene Regeln zurück. Das Entsetzen war groß, als die Rechtschreibreform durchgesetzt wurde, und viele Menschen haben sich an einige der Neuerungen nie gewöhnen können (“Delfin mit f? Igitt!”).

Fachkräfte für Schreibarbeiten
Diejenigen, die sich ihr Leben lang mit der Sprache auseinandergesetzt haben, beherrschen sie im Normalfall – egal, auf welche Weise sie das Schreiben einst gelernt haben. Die Älteren haben im Studium oder im Job die Rechtschreibreform verinnerlicht und die Jüngeren ebendort die Rechtschreibregeln vertieft, die ihnen zu spät beigebracht worden sind. Daher gilt: Wie in allen Bereichen sind auch in der Kommunikation die Fachleute diejenigen, die es richtig machen. Und das ist eigentlich ziemlich naheliegend – man würde ja auch nicht annehmen, dass man sich selbst ein Blockhaus bauen kann, nur weil man in der fünften Klasse mal Laubsägearbeiten gemacht hat.

Aber die Rechtschreibprüfung … ?
Manch einer mag sich denken: Ich kann eigentlich ganz gut schreiben, und für den Rest benutze ich einfach ein Rechtschreibprogramm. Während der Erstellung dieses Textes schlägt eine blaue Linie vor, “gut” und “schreiben” zu verbinden. Danke, Rechtschreibprogramm, aber nein, danke. Es wäre falsch. Man kann sich etwas gutschreiben lassen, aber wer gut schreiben kann, zieht diese Wörter an dieser Stelle nicht zusammen.

Computer haben unsagbar schnelle Fortschritte gemacht, aber an Sprachen scheitern sie noch immer: Sprachen sind unlogisch, lebendig, wandelbar. Computer sind gradlinig und logisch. Das passt nicht. Ja, manche Meldungen über Wetter oder Sport werden inzwischen von Computern erstellt. Einfache kleine Texte sind nicht das Problem. Aber für die Unternehmenskommunikation, für die Website, für Reden, Pressemeldungen, Blogartikel, Memoiren und viele andere Schriftstücke ist der lebende Geist des Verfassers nötig: Die Tonalität muss stimmen, jeder Fachausdruck sitzen, der Leser angesprochen und abgeholt werden. Das kann keine Maschine, das kann nach wie vor nur der Mensch.

Fazit: Lassen Sie die Fachkräfte ans Werk
So wenig Wert die Gesellschaft im Alltag auf Rechtschreibung zu legen scheint, so übel nimmt sie es, wenn auf Unternehmenswebseiten, in Formularen oder in Anschreiben Fehler zu finden sind. Auch wenn falsche Rechtschreibung in keiner Weise auf fehlende Expertise in der jeweiligen Branche hindeutet, empfinden viele Menschen sie noch immer als unprofessionell: Ihr Bild des jeweiligen Unternehmens verschlechtert sich entsprechend. Daher ist dringend angeraten, die Unternehmenskommunikation vertrauensvoll in die Hände derer zu legen, die sich mit der Sprache ihr Leben lang auseinandergesetzt haben, damit Sie das nicht müssen.

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